24 Die Macht des Heiligen – im Dienst der Politik?

Autor: Christoph Käppeler

Die Macht des Heiligen – im Dienst der Politik?

Tränen am Sarg des einbalsamierten Stalin, ernstgemeinte oder gespielte Trauer nach dem Tod eines nordkoreanischen Führers: Seien es Marxismus, Kommunismus oder Stalinismus  – Politik nimmt in Rhetorik und Pathos gerne mal Anleihe bei den Religionen. Und als Machtmittel ist Religion ein „Shooting-Star“.

Mordende IS-Kämpfer, despotische Regimes, sie führen ihre Kriege im Namen der Religion. Mit religiösem Empfinden und Handeln hat das nichts mehr zu tun.

Ist das Grundgesetz unsere Bibel und sind die Menschrechte die Zehn Gebote?

Warum braucht die Politik das Heilige? Bischöfe, Ayatollahs, Patriarchen, Mullahs oder der Dalai Lama – wenn sie Seite an Seite mit politischen Führern auftreten, dann scheinen sie sich ganz offensichtlich gegenseitig zu stützen.

„So wahr mir Gott helfe“ – der Amtseid, den die deutsche Bundeskanzlerin ablegt, kann diese Formel enthalten. Liefert Religion Inspiration? Ist nicht das Bemühen um Frieden und eine gerechtere Entwicklung in der Welt heute zur alleinigen Aufgabe der Politiker geworden, wo dies früher von Gott erbeten wurde? Wer dient hier eigentlich wem?

Man könnte noch weiter denken: Ist das Grundgesetz heute unsere Bibel? Erfüllt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte die Funktion der Zehn Gebote? Und wie sähe ein neues Glaubensbekenntnis aus, das die Entwicklungen in der Welt berücksichtigt, aber auch die persönliche Suche nach Glück und Heil? Ist der hegelsche „Weltgeist“ unser neuer Gott?

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