11 Scharfe Trennung – klare Verhältnisse? Frankreichs Laizismus

Autorin: Suzanne Krause

Scharfe Trennung – klare Verhältnisse? Frankreichs Laizismus

Es ist ein  quasi sakro-sanktes Prinzip der französischen Republik: per Gesetz wurde am 9. Dezember 1905 die strikte Trennung von Religion und Staat festgeschrieben. Und gleichzeitig allen Bürgern das Recht auf Glaubensfreiheit zugesichert.

Damals ging es gewissermaßen um das Überleben der Republik: Die Demokratie sah sich von Konservativen angefochten, die die Monarchie wieder einführen wollten –  seit jeher eng verknüpft mit der katholischen Kirche im Land. Um deren Einfluss zu brechen, führte die Regierung das laizistische Prinzip ein. Der Begriff „laicité“ geht zurück auf den französischen Pädagogen Ferdinand Buisson, der damit schon 1871 religionsfreien Unterricht bezeichnete; das französische Laizitäts-Gesetz sorgte für eine Befriedung. Religion gilt seither als Privatangelegenheit.

Kann der Laizismus die Gesellschaft zusammenhalten?

Bis 1989  mit der ersten ‚Kopftuch-Affäre‘ an einer Schule nahe Paris, das Thema Religion erstmals wieder für Schlagzeilen sorgte. Seither drängt die Frage, ob der Islam, mittlerweile zweitwichtigste Religion im Land, mit den Werten der Republik vereinbar sei. Und spätestens seit den Anschlägen radikaler Islamisten in Paris und der Provinz spaltet sich das Land in zwei Lager: da sind die Anhänger einer offenen, inklusiven Laizität, die andere Seite will eine strikte Auslegung des Gesetzes von 1905. Das laizistische Prinzip gilt als Basis für ein friedliches Zusammenleben, aber kann es heute die französische Gesellschaft noch zusammenhalten?

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