07 Herrschaftsanspruch: Religionen und ihr Verhältnis zur Macht

Autorin: Bettina Emmerich

Herrschaftsanspruch: Religionen und ihr Verhältnis zur Macht

Die aufgeklärten modernen demokratischen Gesellschaften sind stolz auf sich: Wir haben uns von den Fesseln der Religion befreit und begründen den Staat auf die universalen Menschenrechte und die Vernunft. Über allem steht das Recht.

Gesetze werden von Parlamenten gemacht und der Verstoß gegen sie wird im Namen des Volkes verurteilt. Alle Macht geht vom Volke aus. Legitimität kommt nicht vom Papst, von Gott oder sonst einer spirituellen Macht. Es gilt die Herrschaft des Rechts – und nicht die Macht des Stärkeren. Hat sich also die Macht von der Religion gelöst?

Wie kommt zum Beispiel die Eidesformel „so wahr mir Gott helfe“ in die Vorlage für die Vereidigung einer Bundeskanzlerin? Warum wird der Hinweis „ich bin ein gläubiger Mensch“ gleich gesetzt mit: der hat klare moralische Kategorien?

Vor dem Gesetz sind alle Religionen gleich

Religion als reine Privatsache muss sich dem Grundgesetz beugen, das keine bessere und keine schlechtere Religion kennt.

Was aber heißt es, Macht auszuüben, zu gestalten und Grenzen zu setzen? Ein Anspruch, den auch Religionen haben. Religiöse Debatten toben dort, wo Entscheidungen getroffen werden müssen, bei denen Werte im Gegensatz zueinander stehen: Abtreibung, Scheidung, Gleichberechtigung, Sterbehilfe, Soziale Gerechtigkeit und Zuwanderung. Wird Religion in der modernen Gesellschaft über diesen Umweg zum Ausschlussprinzip?

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