19 Krieg im Namen der Religion: Balkan

Autorin: Kristin Helberg

Krieg im Namen der Religion: Balkan

Der Balkan ist die Scheidelinie zwischen Orient und Okzident. Die Region ist nicht nur ein ethnischer Flickenteppich, sondern auch ein religiöser. Religion „lädt“ die politische Auseinandersetzung gleichsam auf. In den blutigen Auseinandersetzungen der 1990er Jahre musste Religion als Unterscheidungsmerkmal herhalten. Die serbisch-orthodoxe Kirche wurde zum wichtigen politischen Akteur – daraus leiten sich viele Konflikte ab. Religiöse Kultstätten dienen der Legitimation von Gebietsansprüchen.

Die neue religiöse Strenggläubigkeit führt zu Konflikten im Alltag

In Kroatien repräsentiert die katholische Kirche nicht nur die Verbindung zum Ustascha-Regime – über die sogenannte „Rattenlinie“ entkamen belastete Kroaten ins Ausland. Nach dem EU-Beitritt steht sie auch stellvertretend für ein konservatives Weltbild, das sich mit dem liberalen Brüsseler Mainstream reibt. Mit weithin sichtbaren großen Kreuzen, wie z.B. in Skopje oder Mostar markiert sie einen Machtanspruch über den Köpfen der Muslime.

In Bosnien-Herzegowina und im Kosovo ist eine Folge der Kriege der 1990er Jahre, dass sich Muslime stärker dem Glauben zuwenden. Das nutzen externe Akteure wie die arabischen Emirate und auch die Türkei für ihre politischen und religiösen Zwecke aus. Hunderte Dschihadisten aus den Balkanstaaten kämpfen in Syrien und dem Irak. In der Heimat sorgt religiöse Strenggläubigkeit für weitere Konflikte, die sich im Alltag zeigen – etwa, wenn an der Universität Sarajevo strenggläubige Muslime vorlesungsfreie Zeiten während der Gebetsstunden einfordern.

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