08 Gott ist doch kein Mann

Autorin: Anne Baier

Gott ist doch kein Mann

„Das Weib schweige in der Gemeinde“ schrieb Paulus an die Adresse der Korinther und bis heute sind Frauen im Altarraum, in den Moscheen, in den Synagogen die Ausnahme – weltweit. Es wird Gewalt gegen Frauen im Namen der Religion ausgeübt, die Gehorsamspflicht der Frauen mit heiligen Schriften belegt und Gott als mächtige Vaterfigur verehrt.

Warum ist die Frau das beherrschte Wesen in den Religionen?

Die zentrale Frage, die daraus entsteht und die stellvertretend für alle Folgen dieses Funkkollegs hier gestellt wird: Warum ist die Frau das beherrschte Wesen in den Religionen? Ist das Macht- und Bedeutungsgefälle zwischen Mann und Frau per se in den Religionen angelegt? Warum haben die Religionen patriarchale Strukturen gestärkt und über die Jahrhunderte hinweg stabilisiert?

Gläubigen Christinnen, Jüdinnen und Musliminnen ist der Zugang zu religiösen Ämtern verwehrt, teils wird ihr Zeugnis vor Gericht nicht als vollwertig betrachtet und ihnen das Recht auf Scheidung abgesprochen. Was sagen die heiligen Schriften, die Bibel, der Koran und die Tora zum Verhältnis Männer und Frauen? Inwieweit lässt sich aus ihnen und auch aus den Traditionen eine Gleichwertigkeit der Geschlechter ableiten, die ein emanzipatives Verständnis religiöser Lebensweise ermöglicht?

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